So funktioniert die neue Corona-Warn-App

Nach langer Wartezeit ist die offizielle Corona-Warn-App für Deutschland seit heute verfügbar. Sie soll das Nachverfolgen von Infektionen erleichtern. KURT-Reporterin Lilli Hiltscher hat sich die App heruntergeladen und die ersten Schritte ausprobiert.

Die App können sich Android-Nutzer über den Google Play und Apple-User über den App Store herunterladen. Dafür habe ich einfach nach der Corona-Warn-App gesucht. Nachdem ich die App installiert hatte, bekam ich zunächst allgemeine Informationen darüber, wie sie funktioniert.

Dazu gehört auch eine ausführliche Datenschutzerklärung. Dort steht auch, dass die Nutzung der App freiwillig ist. Außerdem kann ich nachlesen, wie genau die Nachverfolgung funktioniert. Das scheint total einfach zu sein: Sie warnt mich, ob ich in letzter Zeit Kontakt zu einer infizierten Person hatte. Das passiert über einen Bluetooth-Daten-Abgleich.

Entlädt sich der Akku schneller?

Bluetooth muss für eine wirksame Nutzung die ganze Zeit über eingeschaltet bleiben. Nur so können die Daten erfasst werden. Die Entwickler versprechen, dass sich der Akku des Handys durch die Nutzung der App nicht schneller entlädt. „Die App verwendet die energieeffiziente Bluetooth-Technologie Bluetooth Low Energy“, erläuterte SAP-Sprecher Hilmar Schepp auf einer Pressekonferenz am Dienstag.

„Anders als bei der Bluetooth-Technologie, die bei drahtlosen Kopfhörern oder externen Lautsprecherboxen verwendet wird, hat das de facto keine Auswirkungen auf den Akku.“ Ob das Versprechen gehalten werden kann, wird die Praxis zeigen.

Das heißt, die App erfasst über Bluetooth, welche Handys sich nahegekommen sind und schätzt auf Basis der Signalstärke die Entfernung. Wenn jemand positiv getestet wird, mit dem ich Kontakt hatte, werde ich mit einer Nachricht darüber informiert. Das funktioniert aber nur, wenn der Infizierte sein positives Testergebnis auch über die App teilt.

Wie Risikoermittlung funktioniert

Die Risikoermittlung funktioniert, in dem das Handy per Bluetooth verschlüsselte Zufallscodes anderer Nutzer empfängt und die eigenen Zufallscodes an diese Smartphones weitergibt.

Die verschlüsselten Zufallscodes enthalten Informationen über Datum und Dauer des Kontakts. Außerdem wird über die Signalstärke die Entfernung zwischen den Personen gemessen. Persönliche Daten werden nicht erfasst, konkrete Rückschlüsse auf einzelne Nutzer sind also nicht möglich.

Kontaktverfolgung über Bluetooth

In der Nachricht steht schließlich, wann ich mit der Person Kontakt hatte. Außerdem wird der Kontakt über einen Risikowert bewertet, der von vier Faktoren abhängt: wie lange der Kontakt zurückliegt, wie lange die Begegnung dauerte, wie stark das Bluetooth-Signal war und wie die Krankheit des Infizierten verläuft.

Wenn ich so eine Nachricht bekomme, kann ich zum Arzt gehen und mich testen lassen. Ich kann also schnell reagieren, wenn die App frühzeitig warnt: ‚Du hattest Kontakt zu einer infizierten Person!‘ So soll die Verbreitung von Covid-19 weiter eingedämmt werden.

Was wird als Kontakt definiert?

Personen, die näher als zwei Meter und länger als 15 Minuten mit einer positiv getesteten Person zusammen waren, bekommen die Information. Die beinhaltet auch den Hinweis, sich mit dem Hausarzt oder der Hausärztin in Verbindung zu setzen.

Der Ort der Begegnung wird nicht erfasst. Die App merkt sich Begegnungen, die in den vergangenen 14 Tagen stattgefunden haben.

Wenn ich selbst getestet wurde, kann ich meinen Test in der App registrieren. Dafür muss ich einfach den QR-Code, denn ich von meinem Arzt bekomme, einscannen. Sobald beim Labor ein Ergebnis vorliegt, wird es in der Testergebnis-Datenbank vom Robert-Koch-Institut hinterlegt. Von dort wird das Ergebnis an die App weitergeleitet.

Infektionsrisiko wird täglich aktualisiert

Ist das Ergebnis positiv, können andere Nutzer gewarnt werden. Dafür müssen Nutzer mit positiven Testergebnissen die Funktion „Testergebnis teilen“ nutzen. So bekommen Kontaktpersonen den Hinweis, dass sie sich testen lassen sollten.

Im Moment steht bei mir in der App noch ‚unbekanntes Risiko‘. Ich habe die App noch nicht lange genug, damit ein Infektionsrisiko ermittelt werden kann. Mein Infektionsrisiko wird täglich aktualisiert, wenn ich die App eingeschaltet lasse. Sollte sich mein Infektionsrisiko ändern, dann werde nur ich darüber informiert. Die Daten werden nicht weitergegeben.

Zunächst wird in der App erläutert, wie die Daten zu Kontaktpersonen ermittelt werden. Wenn die App installiert ist, wird sie alle 24 Stunden aktualisiert und so das Infektionsrisiko überprüft. Foto: Screenshots Corona-Warn-App

Beteiligung muss hoch sein

Der Erfolg der App hängt von einer hohen Beteiligungsquote ab. Laut einer Studie aus Oxford müssen mindestens 60 Prozent der Bevölkerung die App installieren, damit die App tatsächlich die Pandemie eindämmt. Auch wenn das nicht realisiert wird, gehen die Forscher davon aus, dass es kleine Erfolge geben wird. „Selbst bei einem geringen Anteil gehen wir davon aus, dass die Zahl der Infektionen und Todesfälle sinkt“, schreiben die Forscher. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte sich kritisch zu dieser Studie: „Ich kann diese Studie nicht nachvollziehen. Diese ist auch sehr theoretisch hergeleitet.“

Wie groß die Bereitschaft wirklich sein wird, die App zu nutzen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Bisherige Umfragen lassen allerdings vermuten, dass die Zahl der Nutzer unter der Marke von 60 Prozent bleiben wird. Im ARD-Deutschlandtrend gaben 42 Prozent der Teilnehmer an, sie würden die App auf ihrem Handy installieren.

„Die App ist sicher“

Im Vorfeld hatte es in Deutschland immer wieder Kritik gegeben. Die Entwicklung der App hatte deshalb so viel Zeit in Anspruch genommen, da man alle datenschutzrechtlichen Bedenken aus dem Weg räumen wollte. Kanzleramtsminister Helge Braun beschwor die Sicherheit der jetzt verfügbaren Anwendung: „Diese App ist so sicher, wie sie nur sein kann“, sagte der CDU-Politiker dem Portal t-online.de. Der Quellcode sei offengelegt worden, ein höheres Maß an Transparenz könne man „kaum leisten“.

Die Regierung wies Forderungen aus der Opposition zurück, Regelungen zur Freiwilligkeit und zum Datenschutz in einem eigenen Gesetz festzuschreiben. In der Datenschutzgrundverordnung sei alles Notwendige geregelt, argumentierte etwa Gesundheitsminister Spahn.

Auch Datenschützer und Experten lobten bereits im Vorfeld die deutsche Corona-Warn-App. Sie mache „insgesamt einen soliden Eindruck“, hieß es vom Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber in der „Saarbrücker Zeitung“.

Zuspruch in den Sozialen Medien

In den Sozialen Medien gibt es ebenfalls viel Zuspruch für die App. Erste Nutzer berichten von den positiven Erfahrungen nach dem Herunterladen. Und die App führt die Charts der kostenlosen Downloads schon am ersten Tag an.

Allerdings gibt es in den Sozialen Medien auch viel Kritik. So wird vor allem die kostenintensive Entwicklung in Frage gestellt, die über 20 Millionen verschlungen hat.

Die App sei ein Beweis dafür, wie schlecht und verantwortungslos die Regierung mit Steuergeldern umgehe und stelle ein Sicherheitsrisiko dar, ist auf Twitter ebenfalls zu lesen.

Einige Fragen sind noch offen

Im Netz sind die Leute geteilter Meinung. Auf mich wirkt die App sehr gut durchdacht und ich fühle mich nach den ausführlichen Informationen zur Nutzung der Daten während der Installation gut aufgeklärt. Allerdings habe auch ich noch offene Fragen: Bekomme ich die Nachricht, dass ich Kontakt zu einer infizierten Person hatte, auch wenn ich die App nicht offen habe?

Ich werde die App auf jeden Fall nutzen, denn ich finde, wir sollten auch die Menschen in unserer Umgebung schützen. Und auf Instagram, Facebook, Twitter und Co. ist die Gefahr, dass meine privaten Daten ausgespäht werden, wohl deutlich höher.

Beitragsbild: Screenshot / Lilli Hiltscher

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