Klimaanpassung: Stadt Dortmund will aufrüsten

Vermehrt auftretende Hitzewellen, Waldbrände, Starkregenfälle und Schneestürme – all das sind Auswirkungen des Klimawandels. Deshalb ist der Klimaschutz so wichtig. Doch manche Veränderungen durch den Klimawandel sind bereits jetzt irreparabel. Deshalb müssen die Städte aufrüsten und sich dem Klima anpassen.

Vergangene Woche führten die Starkregenfälle in NRW, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern in Deutschland zu heftigen Überschwemmungen und Hochwasser. Viele Menschen sind gestorben, einige gelten immer noch als vermisst und Tausende haben ihr Hab und Gut verloren. Der Klimawandel führt zu Extremwetterlagen. Hoch- und Tiefdruckgebiete bewegen sich durch den Klimawandel langsamer. Deshalb verweilen sie länger an einem Ort und führen so zu Extremwetterereignissen, so der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Zusammenfassung der Unwetterkatastrophe durch Tief Bernd
Das Tief “Bernd” führte zu Hochwasser und Überschwemmungen (Stand: 19. Juli 2021):

  • Binnen 24 Stunden sind 100 bis 150 Liter pro Quadratmeter gefallen
  • Vom Unwetter besonders betroffen waren Teile von NRW, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern
  • Tausende mussten evakuiert werden
  • In der Eifel stürzten Häuser ein
  • Mehr als 150 Menschen sind gestorben
  • Am Wochenende waren zwischenzeitlich rund 165.000 Menschen ohne Strom

 

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Schon seit Jahren appellieren Forscher*innen, sich stärker für Klimaschutz und Klimaanpassungen einzusetzen. Messungen des DWD zeigen, dass Starkregen örtlich, engräumig begrenzt zunimmt. Diese Aufzeichnungen entgehen oft dem Netz der Langzeitmessungen, weil sie zu klein erscheinen. Deshalb werden sie nicht in die statistischen Niederschlagsauswertungen aufgenommen. Dennoch sind Starkregenanalysen für die Klimaanpassung sehr wichtig, sagt Andrea Rüdiger, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Raumplanung an der TU Dortmund. 

Starkregenanalyse
Durch Starkregenanalysen versuchen Wissenschaftler*innen Prognosen zu erstellen, wo extreme Regenfälle zu Hochwasser und Überschwemmungen führen können. Sie versuchen dadurch, besonders schützenswerte Bereiche zu identifizieren.

Manche Bereiche sind besonders gefährdet

Diese sind wichtig, um präventive Schutz-Maßnahmen zu ergreifen und resilient, also widerstandsfähig gegen Extremwetterereignisse zu werden. 2008 ereignete sich eine der schwersten Naturkatastrophen Dortmunds. 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fielen damals in Dortmund in nur zweieinhalb Stunden. Unter anderem trat Hochwasser auch am Studierendendorf Vogelpothsweg direkt an der TU Dortmund auf. 

Das Bild zeigt die vollgelaufenen Kuhlen am Studierendendorf Voglpothsweg. Foto: Carolin Andersen.

Das Studierendenwerk rüstete daraufhin auf und installierte Kuhlen, die den Starkregen ableiten und auffangen können. Spätestens seit vergangener Woche bewies sich diese Umrüstung. Durch Tief “Bernd” entstand kein Hochwasser auf der Wohnanlage. Die Kuhlen auf den Grünflächen liefen voll und erfüllten so ihren Zweck.

Die Städte müssen für eine erfolgreiche Klimaanpassung erst ein Mal ihre verwundbaren Bereiche identifizieren. Dabei ist es aber wichtig, sich breit aufzustellen und alle möglichen Szenarien zu berücksichtigen. “Wir können die Diagnose vielleicht gar nicht stellen. Wir wissen nicht, ob unsere Stadt von Starkregenereignissen oder Hitzewellen betroffen sein wird.”

Stadt Dortmund will sich weiterentwicklen

Deshalb müssen Ressourcen investiert werden, ohne dass man genau wissen kann, ob diese Ereignisse wirklich auftreten. Rüdiger appelliert dazu umzudenken: “Wir müssen gucken, wo wir schützenswerte Bereiche haben, die wir robuster gestalten können.” Im März 2021 stellte die Stadt Dortmund ihre ersten Ergebnisse des Projekts “MiKaDo” vor. Ziel ist es, einen Masterplan für Dortmund zur Klimaanpassung zu entwickeln.

“Eine Stadt wie Dortmund muss ihre Infrastruktur weiterentwickeln und umbauen”, sagt Bürgermeister Thomas Westphal (SPD) bei der Abschlussveranstaltung des Projekts. Untersucht wurden die Risiken für Überhitzung in verdichteten Stadtteilen, Überflutungsgefahr durch Starkregenereignisse, Dürregefahr bei sommerlichen Trockenperioden und die Gefahren durch Sturmereignisse. Aufgrund dieser Ergebnisse werden nun Konzepte entwickelt, die die Stadt Dortmund vor solchen Ereignissen schützen soll. Die große Herausforderung für eine solche Klimaanpassung ist die gebaute Stadt. Städte wie Dortmund, die bereits Hunderte Jahre alt sind, sind nicht darauf ausgerichtet, extremes Wetter auszuhalten. 

 

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Gebote besser als Verbote

Andrea Rüdiger
Sie ist Raumplanerin und arbeitet an der TU Dortmund als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie hat bereits mehrer Städte bei der Stadtplanung beraten. Foto: David Ausserhofer.

In vielen Städten gibt es bereits Gebote und Verbote für eine klimagerechte Stadt. Ein Beispiel dafür ist das Verbot gegen Beton- und Steinvorgärten. Andrea Rüdiger fordert aber eine stärkere Einmischung der Städte und Kommunen in die Bauvorhaben der Bürger*innen: “Die öffentliche Hand muss noch mehr Verantwortung übernehmen.” Zielführend hierbei wären aber eher Gebote und Fördergelder als Verbote. Die Bevölkerung sollte eigenverantwortlich handeln müssen.

Klimaanpassung wird immer wichtiger. Denn es wird auch weiterhin Unwetterereignisse geben wie die von vergangener Woche. Diese können wir auch nicht mit guten technischen Lösungen einfach in den Griff bekommen, so die Expertin. Es wird immer wieder zu Überflutungen kommen. Und vielleicht müssen wir uns in der Zukunft auch ganz von bestimmten Wohnbereichen beispielsweise am Wasser verabschieden.

Beitragsbild: Foto von Markus Distelrath via Pixabay

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