Für ein „humaneres Klima“: Die PARTEI bietet jetzt einen AfD-Blocker an

Mit der AfD setze die PARTEI sich schon lange auseinander, erzählt uns Martin Sonneborn im Gespräch. Ein Ergebnis dieser Auseinandersetzung: seine Partei Die PARTEI hat nun einen „AfD-Blocker“ vorgestellt. Damit sorgt die Satirepartei für amüsierte Reaktionen, aber auch für Diskussionen in sozialen Netzwerken.

Im Europawahlkampf wird mit harten Bandagen gekämpft – die Argumente politischer Gegner zu untergraben gehört zur Tagesordnung. Der neueste Einfall der Satirepartei Die PARTEI geht noch einen Schritt weiter. Am Montag (13. Mai) hat Die PARTEI einen „AfD-Blocker“ veröffentlicht. In einem Video stellt der Parteivorsitzende und EU-Abgeordnete Martin Sonneborn das kuriose Angebot als „elektrischen Anti-Allgemeine-Verblödungs-Detektor“ – oder auch AfD-Blocker – vor.

Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Witz, sondern um ein funktionierendes Plug-In. Angeboten wird es für den Firefox- und Chrome-Browser. Das Plug-In funktioniert ähnlich wie ein Adblocker. Anstelle von Werbung blockiert es allerdings auf Nachrichtenseiten sämtliche Inhalte, die mit der AfD in Verbindung gebracht werden. Stattdessen wird ein weißer Kasten und die Worte „100% AfD-inhaltsfrei. Für Sie blockiert von Die PARTEI“ angezeigt. Auch ein „analoges Blocker-Set“ mit Schablonen zum Auflegen auf Zeitungen und Magazinen war auf der Seite der PARTEI erhältlich und bereits nach zwei Tagen ausverkauft.

Amüsierte Twitter-User und wütende AfD-Politiker

Im Internet sorgt das Angebot für gemischte Reaktionen. Die jeweiligen Plug-Ins haben bereits zahlreiche positive Bewertungen erhalten. Auch viele Twitter-User zeigen sich amüsiert und posteten bereits Screenshots ihres Browsers mit „AfD-freien“ Internetseiten.

Weit weniger amüsiert sind AfD-Politiker von dem Blocker. Der Bundesverband hat sich bisher zwar noch nicht geäußert. Malte Kaufmann, Sprecher der AfD Heidelberg, warf der PARTEI auf Twitter aber sogar vor, verfassungsfeindlich zu handeln.

 

„Totaler Unsinn“ ist das für den Parteivorsitzenden und EU-Abgeordneten Martin Sonneborn. Er sieht eher die Alternative für Deutschland als Gift für die Demokratie. Der AfD-Blocker trage zu einem humaneren Klima im Land bei, da niemand mehr durch Aussagen von AfD-Politikern belästigt werden müsse. Mit der AfD setze Die PARTEI sich schon lange auseinander und sehe die Entwicklung sehr kritisch. „Wir bieten seit 2004 seriösen Populismus. Diese unseriöse neue Protestpartei übernimmt unsere Methoden, ist aber damit erfolgreicher“, so Sonneborn. Das sehe er natürlich nicht gern.

Keine Zensur, sondern Selbstzensur

Der AfD-Blocker scheint nun ein Versuch der PARTEI zu sein, den Methoden der AfD entgegen zu wirken – oder zumindest der medialen Berichterstattung darüber. Den Blocker anzubieten, findet Sonneborn legitim. Er ist sich sicher, dass Medien auch weiterhin souverän und selbstbestimmt berichten, ohne dass der AfD-Blocker Druck auf sie ausübt. „Das ist ja keine Form von Zensur, sondern eher Selbstzensur“, sagt der Parteivorsitzende. Jeder könne frei entscheiden, ob er die Inhalte blockieren möchte.

Ohnehin funktioniert der AfD-Blocker nicht auf allen Plattformen – sondern aktuell auf den Seiten von Spiegel, Bild, SZ und Tagesspiegel. Martin Sonneborn deutete aber bereits an, dass Nutzer das Plug-In mit weiterentwickeln können und viele bereits ankündigten, es beispielsweise auf Facebook auszuweiten zu wollen.

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